Knowledge Mobilization

Im Zusammenhang mit evidenzbasierter Politikgestaltung gibt es viele Überlegungen, Theorien und auch praktische Ansätze dazu, wie Forschungserkenntnisse und Fakten Eingang in Gesundheitspolitik erhalten (können). Ein Ansatz hierfür ist Knowledge Mobilization. Dieser umfasst das Zurverfügungstellen von Forschungserkenntnissen (im Kern Knowledge Translation). Zudem werden im Austausch von Forschenden und „Policymakern“ nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse für politische Maßnahmen vermittelt, sondern auch umgekehrt praxisrelevante Fragen in die Forschung gebracht. In Hinblick auf eine Umsetzung von Evidenz in politischem und Verwaltungshandeln werden auch weitere für die Realisierung maßgebliche Akteure einbezogen. Das Ziel ist, Evidenz und Informationen möglichst umsetzungsorientiert und konkret Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern an die Hand zu geben.

--> Es gibt weitere Ansätze, wie Evidenz in politische Entscheidungsprozesse eingespeist werden kann, aber keine eindeutigen Definitionen hiervon. In einer groben Einordnung meint Knowledge Translation (KT) vorrangig das Teilen und Verbreiten von Erkenntnissen aus Studien (WHO). Diesem Ansatz lässt sich die Wissenschaftskommunikation zuordnen (BMBF „Wissenschaftskommunikation in der Projektförderung, FAQ, 2024). Knowledge Translation and Exchange geht einen Schritt weiter. Hierbei wird ein wechselseitiger Austausch von Forschenden und „Policymakern“ angestrebt, der sowohl Forschungserkenntnisse für politische Maßnahmen bereitstellen als auch die Perspektive aus der Praxis in Forschungsfragen ermöglichen soll (Institute for Work and Health).

(Good) Governance

Governance bezeichnet das System von Regeln, Prozessen, Institutionen und Akteurs-konstellationen, das die Steuerung kollektiver Angelegenheiten in komplexen, oft fragmentierten Handlungsfeldern ermöglicht. Im Gegensatz zum klassischen hierarchischen Regierungsverständnis („Government“) betont Governance die Koordination zwischen staatlichen, privaten und zivilgesellschaftlichen Akteuren, die gemeinsam öffentliche Güter bereitstellen und gesellschaftliche Herausforderungen bewältigen. (Bundeszentrale für politische Bildung)

--> Insbesondere der Begriff „Good Governance“ findet sich im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit (OECD). Die Weltbank definiert Good Governance folgendermaßen: „Good governance is epitomized by predictable, open, and enlightened policymaking (that is, transparent processes); a bureaucracy imbued with a professional ethos; an executive arm of government accountable for its actions; and a strong civil society participating in public affairs; and all behaving under the rule of law.” (siehe Budrich-Journals) übersetzt also: „Gute Regierungsführung ist gekennzeichnet durch vorhersehbare, offene und aufgeklärte Politikgestaltung (d. h. transparente Prozesse), eine von Professionalität geprägte Verwaltung, eine für ihre Handlungen rechenschaftspflichtige Exekutive und eine starke Zivilgesellschaft, die sich an öffentlichen Angelegenheiten beteiligt, wobei alle Beteiligten sich an die Rechtsstaatlichkeit halten.“

Gesundheit (und Pflege) in allen Politikfeldern / Health in All Policies

Gesundheit ist nicht nur Aufgabe des Gesundheitssektors, sondern wird stark beeinflusst von politischen Entscheidungen und Rahmenbedingungen, die außerhalb des Gesundheitssektors getroffen werden4. Entsprechend sollte Gesundheit ein Thema für alle Politikfelder sein und entsprechend als gesamtgesellschaftliche Aufgabe überall verankert werden - so sieht es die WHO in ihrer Strategie zur politikfeldübergreifenden Zusammenarbeit (Health in All Policies, WHO 2013).

--> für mehr Informationen: siehe z. B. das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BIÖG) - Leitbegriffe Gesundheit in allen Politikfeldern / Health in All Policies (HiAP) von Heike Köckler, Raimund Geene (2022) unter https://leitbegriffe.bioeg.de/alphabetisches-verzeichnis/gesundheit-in-allen-politikfeldern-health-in-all-policies-hiap/ oder das Arbeitspapier Health in All policies – Entwicklungen, Schwerpunkte und Umsetzungsstrategien für Deutschland des Zukunftforums Public Health, der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung sowie Gesundheit Berlin-Brandenburg (2019) unter https://zukunftsforum-public-health.de/health-in-all-policies/

Aber nicht nur Gesundheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – auch Pflege ist es. Auch Pflege ist nur gemeinsam umsetzbar und bedarf nicht nur einer politikfeldübergreifenden Zusammenarbeit, sondern auch einer sektoren- und einrichtungsübergreifende Einbeziehung von Akteuren und Zivilgesellschaft, Ehrenamtlichen und Betroffenen. (Siebter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesregierung Deutschland, Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften. (2016) https://www.siebter-altenbericht.de/fileadmin/altenbericht/pdf/Der_Siebte_Altenbericht.pdf)